Kurz gesagt
Branchenschätzungen gehen davon aus, dass im Handwerk 25 bis 30 Prozent der eingehenden Anrufe unbeantwortet bleiben, in einzelnen Erhebungen bis zu 62 Prozent. Was dich das kostet, kann dir niemand pauschal sagen — einen belastbaren Durchschnitts-Auftragswert für Bau- und Ausbaugewerke weist keine Statistik aus. Rechnen kannst du es trotzdem, aber nur mit deinen eigenen Zahlen, und die musst du zuerst messen.
Die Zahl, die überall zitiert wird — und was dahintersteckt
Die Spanne von 25 bis 30 Prozent stammt aus Branchenschätzungen zu Dienstleistern, nicht aus einer amtlichen Erhebung ausschließlich im Handwerk. Der oft zitierte Höchstwert von 62 Prozent bezieht sich auf einzelne, besonders schlecht erreichbare Betriebe. Für dich heißt das: Die Zahl beschreibt eine Größenordnung, keinen Messwert deines Betriebs. Wer dir mit dieser Zahl eine Rechnung aufmacht und daraus einen konkreten Umsatzverlust ableitet, rechnet mit einem Wert, den er nicht kennt.
Interessant wird sie im Zusammenspiel mit zwei anderen Werten. Laut Bitkom verfügen rund 94 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe über eine eigene Website, und 87 Prozent der Betriebe beobachten, dass Kunden eine schnelle Erreichbarkeit erwarten. Der Engpass liegt in den allermeisten Betrieben also nicht bei der Website, sondern zwischen Klingeln und Rückruf.
Warum dir niemand sagen kann, was ein Anruf wert ist
Verbände und Marktbeobachter weisen für Bau- und Ausbaugewerke keinen durchschnittlichen Auftragswert in Euro aus. Der Grund ist naheliegend: Ein tropfender Hahn und eine Badsanierung stehen in derselben Statistik. Belegt sind dagegen die Stundenverrechnungssätze. Alle Werte netto, Stand Juli 2026.
| Gewerk | Minimum | Typisch | Maximum |
|---|---|---|---|
| SHK | 60 €/h | 85 €/h | 115 €/h |
| Elektro | 55 €/h | 75 €/h | 100 €/h |
| Dachdecker | 65 €/h | 80 €/h | 100 €/h |
| Maler | 45 €/h | 60 €/h | 80 €/h |
Ein verpasster Anruf ist außerdem nicht automatisch ein verlorener Auftrag. Ein Teil der Anrufer versucht es später erneut, ein Teil erreichst du beim Rückruf, ein Teil war ohnehin ein Werbeanruf. Wie groß diese Anteile sind, ist nicht belegt. Genau deshalb ergibt nur die eigene Messung Sinn.
Vier Wochen messen — ohne Software, ohne Kosten
Du brauchst dafür keine Telefonanlage und kein Tracking. Ein Blatt Papier im Fahrzeug und die Anrufliste des Diensthandys reichen.
- Lege eine Strichliste an: eine Spalte für angenommene Anrufe, eine für entgangene. Vier Wochen lang, jeden Werktag.
- Werte am Wochenende die Liste „in Abwesenheit“ deines Mobiltelefons aus. Doppelte Nummern zählst du einmal, weil derselbe Kunde es oft mehrfach probiert.
- Notiere bei jedem Rückruf, ob du die Person erreicht hast. Das ergibt deine Rückrufquote — die entscheidende Zahl, die in keiner Statistik steht.
- Schreib zu jedem gewonnenen Auftrag den Netto-Auftragswert dazu. Nach vier Wochen hast du deinen echten Durchschnitt, nicht den einer Branche.
- Rechne am Ende: entgangene Anrufe geteilt durch alle Anrufe. Erst diese Zahl gehört in jede weitere Rechnung, nicht die 25 bis 30 Prozent aus der Presse.
Was du sofort ändern kannst, ohne Geld auszugeben
- Feste Rückrufzeiten. Zwei Blöcke am Tag, zum Beispiel gegen 12 Uhr und gegen 16:30 Uhr. Verlässlichkeit schlägt Dauerbereitschaft.
- Eine Mailbox-Ansage mit Zusage. Nicht „Sie haben den Anschluss …“, sondern eine konkrete Aussage, bis wann zurückgerufen wird. Dann halte sie ein.
- Die Rufnummer als klickbaren Link. Über 65 Prozent der Interessenten suchen mobil. Eine Nummer, die man erst abtippen muss, ist eine Hürde. Auf der Website gehört sie als
tel:-Link in den sichtbaren Bereich ganz oben. - Eine zweite Nummer für Bestandskunden oder eine Weiterleitung an eine Person im Büro. Auch dann, wenn diese Person nur Termine notiert.
- Rückrufformular statt Kontaktformular. Drei Felder, mehr nicht: Name, Nummer, was ist los. Jedes weitere Pflichtfeld kostet Anfragen.
Die Kehrseite: Erreichbarkeit hat eine Grenze
Ständige Erreichbarkeit erhöht das Burnout-Risiko für Inhaber und Mitarbeiter im Handwerk. Das ist keine Randnotiz, sondern der Grund, warum die naive Antwort „einfach immer rangehen“ nicht funktioniert. Sinnvoll ist das Gegenteil: klar kommunizierte Zeiten, in denen du erreichbar bist, und ein Rückruf, auf den Verlass ist. Welche Rückrufzeit Kunden als ausreichend empfinden, ist nicht belegt — belegt ist nur, dass die Abschlusswahrscheinlichkeit mit der Reaktionszeit im Erstkontakt zusammenhängt.
Für Notdienste gilt eine eigene Logik, weil dort der erste erreichbare Betrieb den Auftrag bekommt. Wer keinen Notdienst anbietet, sollte das auf der Website deutlich sagen. Das spart beiden Seiten Zeit.
Im Notdienst ist ein verpasster Anruf endgültig
Bei einem geplanten Auftrag verzeiht der Kunde einen Rückruf am nächsten Tag. Bei Wasser im Keller nicht. Wer nicht abnimmt, taucht in dieser Entscheidung nicht mehr auf, weil der Anrufer die Liste der Suchergebnisse einfach weiter nach unten geht. Die Preisdaten zeigen, warum das ins Gewicht fällt: Eine Türöffnung kostet regulär 80 bis 150 € netto, im Notdienst 150 bis 250 €. Eine Rohr- oder Kanalreinigung liegt zwischen 80 und 600 €. Notdienst-Zuschläge bewegen sich marktüblich zwischen 50 und 150 Prozent auf den Arbeitslohn, dazu kommt eine Anfahrtspauschale von typischerweise 50 bis 150 €.
Rechne deshalb getrennt. Ein verpasster Anruf am Dienstagvormittag und einer am Samstagabend haben nicht denselben Wert. Wenn du überhaupt eine Zahl brauchst, dann zwei: eine für Regelzeiten, eine für Notdienstzeiten. Der Rechner unten erlaubt dir genau das, weil du jeden Wert selbst setzen kannst.
Drei Verwechslungen, die die Rechnung kaputt machen
- Anruf ist nicht Anfrage. In jeder Anrufliste stecken Lieferanten, Werbung, Kollegen und Fehlwahlen. Wer den kompletten Anrufverlust mit dem Auftragswert multipliziert, rechnet sich reich an Verlusten. Zähl in deiner Strichliste nur echte Kundenanfragen.
- Anfrage ist nicht Auftrag. Eine allgemein gültige Abschlussquote vom Anruf zum unterschriebenen Auftrag existiert nicht — sie hängt vom Gewerk, vom Anliegen und von deiner Auslastung ab. Belegt ist nur, dass die Reaktionszeit im Erstkontakt die Quote maßgeblich beeinflusst.
- Auftrag ist nicht Gewinn. Ein entgangener Auftrag über 2.000 € kostet dich nicht 2.000 €, sondern den Deckungsbeitrag. Bei voller Auslastung kostet er dich unter Umständen gar nichts, weil du den Termin ohnehin nicht hättest bedienen können.
Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird in Verkaufsgesprächen fast immer übergangen. Wenn dein Kalender für sechs Wochen voll ist, ist ein verpasster Anruf ärgerlich, aber kein Umsatzverlust. Dann geht es um etwas anderes: Der Anrufer merkt sich, dass er dich nicht erreicht hat, und ruft beim nächsten Mal woanders an. Das ist ein Verlust, der erst später sichtbar wird und den keine Rechnung abbildet.
Rechne es mit deinen eigenen Zahlen
Der Rechner setzt dir keine Werte vor. Die Marktzahlen dienen nur als Startvorschlag, überschreiben kannst du jedes Feld. Ohne E-Mail-Eingabe.
Nicht die Website bringt dir Aufträge, sondern der Hörer. Rechne aus, was dich jeder nicht angenommene Anruf im Monat kostet.
| Position | von | bis |
|---|---|---|
| Verpasste Anrufe pro Monat | 44 | 44 |
| Davon verlorene Aufträge | 22 | 22 |
| Verlorener Umsatz pro Jahr | 27.720 | 51.480 |
Gerechnet mit deinen eigenen Zahlen. Die Marktschätzung liegt bei 25 bis 30 Prozent unbeantworteter Anrufe im Handwerk - wir setzen sie dir nicht als Wahrheit vor.
Willst du wissen, welcher Anruf woher kam?
Genau das bauen wir ein: Anrufmessung je Seite, Erreichbarkeitslogik, Rückrufbitte. 20 Minuten Gespräch, kein Verkaufsdruck.
Termin aussuchen Direkt anrufen Als PDF speichern
Das PDF enthält deine Auswahl, den Garantiepreis und das Gültigkeitsdatum — ohne dass du Kontaktdaten hinterlassen musst.
Das Ergebnis ist eine Orientierung auf Basis öffentlich belegter Marktdaten, kein Angebot.
Woher die Zahlen kommen (9 Quellen)
- Der Anteil telefonischer gegenüber schriftlichen Anfragen ist branchenweit nicht sauber erhoben. Wir behaupten dazu keine Zahl.
- Eine allgemeingültige Abschlussquote von Anfrage zu Auftrag ist nicht belegbar. Der Rechner fragt sie deshalb ab.
- Betriebszahlen unterscheiden sich systematisch: der ZDH zählt Eintragungen in die Handwerksrolle, Destatis zählt Unternehmen. Wir nennen die Quelle immer mit.
- www.clean-invoice.com belegt: Stundenverrechnungssaetze Maler, Elektro, SHK, Dachdecker
- www.verbraucherzentrale.de belegt: Kosten Türöffnung normal und Notdienst, Rohrreinigung
- www.baustellenbuddys.de belegt: Wasserschadensanierung, GDV-Durchschnitt 3.000 EUR
- www.agentur-fuers-handwerk.de belegt: Notdienst-Zuschlaege 50-150 % auf den Stundenlohn
- www.zdh-statistik.de belegt: Handwerksbetriebe Deutschland 2025: 1.038.126
- www.it.nrw belegt: Handwerksbetriebe NRW 2024: rund 109.000
- www.zdh.de belegt: SHK 50.272 Betriebe, Dachdecker 15.239 Betriebe, Stand 2025
- www.bitkom.org belegt: 94 % der Handwerksbetriebe haben 2025 eine Website
- www.telewa.de belegt: Verlustrate unbeantworteter Anrufe im Handwerk 25-30 %, max. 62 %
Alle Quellen abgerufen am 25.07.2026. Preise netto.
Quellen
- https://www.telewa.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Verlustrate unbeantworteter Anrufe im Handwerk, 25–30 %, in Einzelfällen bis 62 %
- https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Handwerk-Digitalisierung | abgerufen 25.07.2026 | belegt: 94 % der Handwerksbetriebe haben eine Website; 87 % beobachten die Kundenerwartung schneller Erreichbarkeit
- https://www.clean-invoice.com/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Stundenverrechnungssätze SHK, Elektro, Dachdecker, Maler
- https://www.handwerk-vom-fach.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: über 65 % der Interessenten suchen mobil, Bedeutung eines Click-to-Call-Buttons
- https://www.conversion-traffic.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Zusammenhang zwischen Reaktionszeit im Erstkontakt und Abschlussquote
- https://www.handwerk-magazin.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: erhöhtes Burnout-Risiko durch ständige Erreichbarkeit
- https://www.wirsindhandwerk.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Diskrepanz zwischen Kundenerwartung und tatsächlicher Erreichbarkeit vieler Betriebe
Nicht belegbar und deshalb ohne Zahl: ein durchschnittlicher Auftragswert für Bau- und Ausbaugewerke, der Anteil telefonischer gegenüber schriftlichen Anfragen, die Quote vom Anruf zum unterschriebenen Auftrag sowie der Anteil der Anrufer, die es nach einem verpassten Anruf erneut versuchen. Für all das existiert keine methodisch saubere Primärquelle. Die 25 bis 30 Prozent sind eine Schätzung über Dienstleister hinweg, keine Handwerksstatistik.