Kurz gesagt
Notdienst-Zuschläge sind gesetzlich nicht gedeckelt. Marktüblich sind 50 bis 150 Prozent auf den reinen Arbeitslohn, dazu eine Anfahrtspauschale von typischerweise 50 bis 150 €. Zwei Grenzen gibt es trotzdem: Auf Material gehört kein Notdienstzuschlag, und wer eine Notlage mit übersetzten Preisen ausnutzt, riskiert, dass der Vertrag als sittenwidrig gilt und damit nichtig ist.
Was marktüblich ist
Alle Werte netto, Stand Juli 2026. Sie stammen aus Marktbeobachtungen und Verbraucherzentralen-Angaben, nicht aus einer amtlichen Preisliste — eine solche gibt es für das Handwerk nicht.
| Position | Minimum | Typisch | Maximum |
|---|---|---|---|
| Zuschlag Nacht, Wochenende, Feiertag | 50 % | 100 % | 150 % auf den Arbeitslohn |
| Anfahrtspauschale Notdienst | 50 € | 100 € | 150 € |
| Türöffnung regulär | 80 € | 115 € | 150 € |
| Türöffnung im Notdienst | 150 € | 200 € | 250 € |
| Rohr- und Kanalreinigung | 80 € | 150 € | 600 € |
| Wasserschadensanierung | 500 € | 3.000 € | 25.000 € |
Die Basis für den Zuschlag ist dein regulärer Stundenverrechnungssatz. Der liegt im SHK-Bereich typisch bei 85 € netto, in der Elektrotechnik bei 75 €, bei Dachdeckern bei 80 € und bei Malern bei 60 €. Ein Zuschlag von 100 Prozent auf einen SHK-Satz von 85 € ergibt also 170 € netto pro Stunde — nicht 170 € plus Grundsatz.
Die zwei harten Grenzen
Erstens: kein Zuschlag auf Material. Verbraucherzentralen weisen ausdrücklich darauf hin, dass ein Notdienstzuschlag nur auf Arbeits- und Fahrtzeit erhoben werden darf, nicht auf Materialkosten. Eine Dichtung wird nachts nicht teurer. Wer das trotzdem tut, liefert dem Kunden eine begründete Beanstandung — und in aller Regel eine schlechte Bewertung dazu.
Zweitens: Wucher. Wer die Notlage eines Kunden durch übersetzte Preise ausnutzt, muss damit rechnen, dass das Geschäft nach § 138 BGB als sittenwidrig eingeordnet wird. Die Folge ist nicht ein Abschlag, sondern die Nichtigkeit des Vertrags. Ab welchem Aufschlag Gerichte diese Grenze ziehen, lässt sich nicht als feste Prozentzahl angeben — das hängt vom Einzelfall ab. Wer sich im belegten Marktkorridor bewegt und ihn vorher offenlegt, bewegt sich erkennbar weit davon entfernt.
Was Kunden erwarten — und woher wir das ableiten
Eine repräsentative Umfrage dazu, was Privatkunden von Notdienstpreisen erwarten, liegt uns nicht vor. Ableiten lässt sich die Erwartung aber daraus, wovor Verbraucherzentralen warnen und was sie ihren Lesern raten. Das sind im Kern vier Dinge: einen Preisrahmen vor der Anfahrt zu erfahren, Anfahrt und Arbeitszeit getrennt ausgewiesen zu bekommen, keinen Zuschlag auf Material zu zahlen und eine Rechnung zu erhalten, die nachvollziehbar aufgeschlüsselt ist.
Das ist keine hohe Hürde. Der Grund, warum Notdienste einen schlechten Ruf haben, sind einzelne Anbieter mit Callcenter-Vermittlung und Endpreisen weit über dem Marktkorridor. Für einen ortsansässigen Betrieb ist genau das die Gelegenheit: Wer seine Zuschläge offen auf die Website schreibt, unterscheidet sich sichtbar von denen, die es nicht tun.
So weist du es sauber aus — sechs Schritte
- Definiere die Zeitfenster schriftlich. Zum Beispiel: Regelzeit Montag bis Freitag 7 bis 17 Uhr, Zuschlag 1 abends und samstags, Zuschlag 2 nachts, sonntags und feiertags. Ohne definierte Fenster ist jeder Zuschlag Verhandlungssache.
- Nenne den Prozentsatz, nicht nur „Zuschlag“. „100 Prozent auf den Stundensatz von 85 € netto, also 170 € netto je angefangene Stunde“ ist eine Aussage. „Notdienstzuschlag nach Aufwand“ ist keine.
- Weise die Anfahrt getrennt aus. Als Pauschale mit Betrag oder als Fahrtzeit mit Satz. Beides ist üblich, eine Mischung aus beidem ohne Erklärung nicht.
- Sag den Preisrahmen am Telefon, bevor du losfährst, und schick ihn per SMS oder Mail hinterher. Zwei Sätze reichen. Das kostet dich eine Minute und nimmt später jede Diskussion vorweg.
- Material zum Normalpreis. Getrennte Zeile auf der Rechnung, ohne Zuschlagszeile daneben.
- Stell die Zuschlagstabelle auf die Website. Eine eigene Seite „Notdienst und Preise“ mit derselben Tabelle, die du am Telefon vorliest. Das ist der einzige Punkt hier, der Sichtbarkeit bringt und gleichzeitig Streit vermeidet.
Brutto oder netto — und was wir dazu nicht sagen können
Alle Zahlen in diesem Artikel sind Nettowerte, weil die Marktdaten so erhoben sind. Privatkunden denken in Bruttopreisen. Ein Stundensatz von 170 € netto ist für sie ein Satz von 202,30 €. Wenn du am Telefon netto nennst und auf der Rechnung brutto steht, wirkt das wie eine nachträgliche Erhöhung, auch wenn es keine ist. Welche Auszeichnungspflichten für deinen Betrieb im Einzelnen gelten, ist eine Rechtsfrage; dazu liegt uns keine belastbare Quelle vor, und wir geben dazu keine Auskunft. Kläre das mit deiner Handwerkskammer oder einem Anwalt.
Ein Rechenbeispiel für eine Nacht
Ein SHK-Betrieb, Rohrbruch am Sonntag um 22 Uhr, drei Stunden vor Ort, 40 € Material. Regulärer Stundensatz 85 € netto, Zuschlag 100 Prozent, Anfahrtspauschale 100 €. Die Rechnung sieht dann so aus: drei Stunden zu 170 € ergibt 510 €, dazu 100 € Anfahrt und 40 € Material ohne Zuschlag. Summe 650 € netto, brutto 773,50 €.
Dieselbe Leistung am Dienstagvormittag: drei Stunden zu 85 € ergibt 255 €, Anfahrt regulär, Material 40 €. Der Unterschied von rund 355 € netto ist es, den du dem Kunden am Telefon erklären musst — vor der Anfahrt, nicht auf der Rechnung. Wer die Zahl vorher hört, akzeptiert sie meistens. Wer sie zum ersten Mal auf dem Papier sieht, ruft die Verbraucherzentrale an.
Woran Notdienstseiten im Netz scheitern
Die meisten Notdienstseiten von Handwerksbetrieben machen denselben Fehler: Sie schreiben „24 Stunden erreichbar“ und nennen keinen einzigen Preis. Damit stehen sie optisch neben den überregionalen Vermittlern, die genauso werben. Der Kunde kann nicht unterscheiden, wer der ortsansässige Betrieb ist und wer das Callcenter mit Weiterverkauf.
Drei Angaben lösen das, und alle drei kannst du selbst ergänzen. Erstens die Zuschlagstabelle mit konkreten Sätzen. Zweitens die Orte, in die du tatsächlich nachts fährst, mit Namen. Drittens der Hinweis, ab wann eine Anfahrt sinnlos ist — etwa weil der Kunde zuerst den Haupthahn schließen kann und morgens günstiger dran ist. Der dritte Punkt kostet dich gelegentlich einen Nachteinsatz und bringt dir den Folgeauftrag.
Ein Hinweis zur Erreichbarkeit selbst: Ständige Verfügbarkeit erhöht nachweislich das Burnout-Risiko im Handwerk. Ein Notdienst mit klar benannten Zeiten, in denen tatsächlich jemand rangeht, ist belastbarer als ein Versprechen von 24 Stunden, das an drei von sieben Nächten nicht eingehalten wird.
Was ein nicht angenommener Notruf kostet
Notdienstanrufe sind die teuersten verpassten Anrufe, weil der Anrufer sofort weiterwählt. Setz im Rechner den Notdienstsatz und die Notdienstzeiten getrennt an, statt mit einem Mischwert zu rechnen.
Nicht die Website bringt dir Aufträge, sondern der Hörer. Rechne aus, was dich jeder nicht angenommene Anruf im Monat kostet.
| Position | von | bis |
|---|---|---|
| Verpasste Anrufe pro Monat | 44 | 44 |
| Davon verlorene Aufträge | 22 | 22 |
| Verlorener Umsatz pro Jahr | 27.720 | 51.480 |
Gerechnet mit deinen eigenen Zahlen. Die Marktschätzung liegt bei 25 bis 30 Prozent unbeantworteter Anrufe im Handwerk - wir setzen sie dir nicht als Wahrheit vor.
Willst du wissen, welcher Anruf woher kam?
Genau das bauen wir ein: Anrufmessung je Seite, Erreichbarkeitslogik, Rückrufbitte. 20 Minuten Gespräch, kein Verkaufsdruck.
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Das PDF enthält deine Auswahl, den Garantiepreis und das Gültigkeitsdatum — ohne dass du Kontaktdaten hinterlassen musst.
Das Ergebnis ist eine Orientierung auf Basis öffentlich belegter Marktdaten, kein Angebot.
Woher die Zahlen kommen (9 Quellen)
- Der Anteil telefonischer gegenüber schriftlichen Anfragen ist branchenweit nicht sauber erhoben. Wir behaupten dazu keine Zahl.
- Eine allgemeingültige Abschlussquote von Anfrage zu Auftrag ist nicht belegbar. Der Rechner fragt sie deshalb ab.
- Betriebszahlen unterscheiden sich systematisch: der ZDH zählt Eintragungen in die Handwerksrolle, Destatis zählt Unternehmen. Wir nennen die Quelle immer mit.
- www.clean-invoice.com belegt: Stundenverrechnungssaetze Maler, Elektro, SHK, Dachdecker
- www.verbraucherzentrale.de belegt: Kosten Türöffnung normal und Notdienst, Rohrreinigung
- www.baustellenbuddys.de belegt: Wasserschadensanierung, GDV-Durchschnitt 3.000 EUR
- www.agentur-fuers-handwerk.de belegt: Notdienst-Zuschlaege 50-150 % auf den Stundenlohn
- www.zdh-statistik.de belegt: Handwerksbetriebe Deutschland 2025: 1.038.126
- www.it.nrw belegt: Handwerksbetriebe NRW 2024: rund 109.000
- www.zdh.de belegt: SHK 50.272 Betriebe, Dachdecker 15.239 Betriebe, Stand 2025
- www.bitkom.org belegt: 94 % der Handwerksbetriebe haben 2025 eine Website
- www.telewa.de belegt: Verlustrate unbeantworteter Anrufe im Handwerk 25-30 %, max. 62 %
Alle Quellen abgerufen am 25.07.2026. Preise netto.
Quellen
- https://www.agentur-fuers-handwerk.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Notdienst-Zuschläge 50–150 % auf den Stundenlohn, Anfahrtspauschalen 50–150 €
- https://www.verbraucherzentrale.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Kosten Türöffnung regulär und im Notdienst, Rohr- und Kanalreinigung; kein Zuschlag auf Materialkosten, nur auf Arbeits- und Fahrtzeit
- https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__138.html | abgerufen 25.07.2026 | belegt: § 138 BGB, sittenwidriges Rechtsgeschäft und Wucher
- https://www.bundesgerichtshof.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Ausnutzung einer Notlage durch übersetzte Preise gilt als Wucher, der Vertrag ist nichtig
- https://www.clean-invoice.com/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Stundenverrechnungssätze SHK, Elektro, Dachdecker, Maler als Basis für den Zuschlag
- https://www.baustellenbuddys.de/ | abgerufen 25.07.2026 | belegt: Kosten der Wasserschadensanierung, GDV-Durchschnitt rund 3.000 €
Nicht belegbar und deshalb ohne Zahl: eine repräsentative Umfrage dazu, was Privatkunden von Notdienstpreisen erwarten — der entsprechende Abschnitt leitet die Erwartung aus Verbraucherzentralen-Empfehlungen ab und ist als Ableitung gekennzeichnet. Ebenfalls nicht belegbar: ab welchem Aufschlag Gerichte Wucher annehmen, der Anteil der Betriebe, die ihre Notdienstpreise veröffentlichen, sowie ein durchschnittlicher Auftragswert im Notdienst. Zu Auszeichnungspflichten machen wir bewusst keine Angabe, das ist Rechtsberatung.